Hinweis des Landesfischereiverband Südwürttemberg-Hohenzollern e.V.

 

Sehr geehrte Mitglieder,

sehr geehrte Damen und Herren,

unser Verbandsgewässerwart bittet um Beachtung:

IHN-Ausbruch an der Stunzach

Die infektiöse hämatopoetische Nekrose, kurz „IHN“, eine Viruserkrankung der Salmoniden, die ähnlich wie die VHS verheerende Verluste zur Folge haben kann, ist nach hier vorliegenden Informationen in der Stunzach ausgebrochen. Betroffen ist auch ein dort liegender Aquakulturbetrieb, der nach hier vorliegenden Informationen mehrere Fischereivereine der Gegend belieferte und beliefert.

IHN-Viren können durch Angelgeräte, Ausrüstungsgegenstände (Bekleidung, Stiefel, Netze usw.), Wasser, Behälter, Schleim, Fische usw. übertragen werden. Deshalb muss alles desinfiziert werden, was mit infiziertem Material in Berührung gekommene ist oder sein könnte.

Besondere Vorsicht ist geboten bei Besatzmaßnahmen! Nur wer bei behördlich zugelassenen, seuchenfreien Betrieben einkauft, kann sicher sein, keine infizierten Fische zu bekommen. Deshalb ist unbedingt und ohne Ausnahme nur dort Besatzmaterial einzukaufen, wo auch ein gültiges Gesundheitszeugnis vorgelegt und ausgehändigt wird.

Gastangler, die von weither kommen, z.B. um einen Forellenpuff zu besuchen, stellen eine besondere Gefahr dar. Sie können, infiziert, die Krankheit über große Entfernungen an und in andere Gewässersysteme transportieren und so neue Infektionsherde generieren, wenn nicht gründlich desinfiziert wird.

Die IHN-Viren führen meist zu Massenverlusten. Besonders anfällig sind Regenbogenforellen, insbesondere die Brut und Setzlinge. Hechte können das Virus ebenfalls in sich tragen und an andere Fische übertragen. Auch IHN-Viren in Aalen sind für Regenbogenforellen pathogen. Die Viren können adsorbiert an Lehmpartikel an Stiefeln bis zu <9 Wochen überleben.

Die Inkubationszeit, also die Zeit, die von der Infektion bis zum Ausbruch der Krankheit vergeht, beträgt je nach Wassertemperatur ca. 5-15 Tage. Befallene Fische, die die Krankheit überleben, können eine Immunität erwerben, sind aber lebenslang Virusträger und Virusausscheider. Solche Fische erscheinen als gesund, haben äußerlich oft keine Anzeichen, so dass mit ihnen leicht die Krankheit verbreitet werden kann, wenn sie als Besatz verwendet werden. Umso notwendiger ist die Bescheinigung der Seuchenfreiheit, wenn man Besatzfische kauft! Da darf es keine einzige Ausnahme geben!

Insbesondere für das Gebiet um die Stunzach, um Haigerloch, die Eyach gelten also besondere Vorsichtsmaßnahmen! Alles, was Kontakt mit dem Virus haben könnte, muss desinfiziert werden. Alle Geräte, Netze usw. müssten nach dem Einsatz in diesem Gebiet desinfiziert und danach zum Trocknen, möglichst an die Sonne, aufgehängt werden. So werden die Viren, so sie denn vorhanden sein sollten, sicher abgetötet.

Befallene Fische fallen auf durch Dunkelfärbung, Glotzaugen, Blutungen in der Haut am Bauch, in den Augen, an den Flossenansätzen, feinen Blutungen in der Muskulatur und punktförmigen Blutungen im Körperfett; dazu kommt häufig blutig-schleimiger Magen-Darm-Inhalt. Da die Symptome aber auch teilweise oder ganz fehlen können, ist eine Diagnose schwierig; bei Verdacht ist deshalb immer der Fischgesundheitsdienst zu benachrichtigen (Pflicht!). Das bedeutet, dass jeder, der auch nur einen leisen Verdacht einer Infektion mit IHN hat, dies bei der Behörde (Veterinäramt beim Landratsamt Balingen, Tel. 07433 921906, oder beim FGD Aulendorf, Tel. 07525 942234) anzeigen muss (Anzeigepflicht!).

Das Landratsamt Balingen (Zollernalbkreis) hat verfügt, dass ein Sperrgebiet (hier identisch mit Überwachungsgebiet) eingerichtet wird, welches das gesamte Einzugsgebiet der Stunzach umfasst, jeweils 100 m entlang der Ufer, bis zur Mündung in die Eyach. Aus diesem dürfen Salmoniden lebend nur mit amtstierärztlicher Genehmigung verbracht werden. Aquakulturbetriebe und Fischwasserpächter haben ihre Bestände nach Anweisung des FGD auf IHN zu untersuchen bzw. die Untersuchung zu dulden. Zuwiderhandlungen: Geldbuße!

Im Freiwasser wurden bislang keine Viren nachgewiesen, sondern nur in Aquakulturanlagen; weitere Untersuchungen werden demnächst erfolgen. Angeln sollte derzeit in der Stunzach möglichst unterbleiben, wenn doch, dann bitte nach dem Angeln sorgfältig reinigen und trocknen, danach desinfizieren, insbesondere Stiefel, Kescher und Netze. Besondere Gefahr der Verschleppung besteht, wenn Geräte innerhalb kurzer Zeit auch an anderen Gewässern eingesetzt werden!

Wir melden uns wieder, wenn die Gefahr vorüber ist. Bis dahin: äußerste Vorsicht angebracht!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Werner Baur, Landesgewässerwart LFV SwHz

 

http://www.lfv-swhz.de/images/stories/IHN_Infoblatt2-2014.pdf